Elfenstern Expresso de Cayrac

Expresso de Cayrac * 16.07.2014 05.06.2016          

Als am Sonntagabend gegen 18.50 Uhr die Nachricht kam, dass Du eine schlimme Kolik hättest und auf dem Weg in die Klinik seist, war ich eigentlich nicht sehr beunruhigt. Eine Kolik kann immer mal vorkommen und ist durchaus heilbar. Dreieinhalb Stunden später warst Du tot! Völlig fassungslos erfuhr ich von der Tierärztin, dass es sich in Deinem Fall um eine komplette Einstülpung des Blinddarms in den Grimmdarm handelte, inoperabel – Pech, einfach nur Pech (so die Worte der Tierärztin).

Ich stand unter Schock – wie konnte das passieren? Warum? Warum ausgerechnet Du?

Du warst für mich DAS Sinnbild dieser ganzen Rettungsaktion: ein kranker Jährling, knochig, verwurmt, kraftlos, Hengst, Mix, Mutter und Schwester beim Schlachter gelandet. Was hast Du in Deinem kurzen Leben schon alles erleben müssen, bevor Du in die fähigen Hände von Antoinette gekommen bist und Dich in einer Herde vertrauter Leidensgenossen von allem erholen und langsam zu einem wunderschönen, starken Junghengst werden konntest? Die traurige Vergangenheit hattest Du hinter Dir gelassen und hättest eigentlich in eine wunderschöne Zukunft blicken können.

So große Pläne hatte ich mit Dir! Wie Dein Vater, Favory Favorit, solltest Du einmal vor der Kutsche gehen, ein stolzer, großer Grauer mit dunkler Mähne, oder vielleicht auch ganz weiß. Und mit mir im Barocksattel über die Felder, durch den Wald, auf dem Platz…

Du hattest etwas ganz Besonderes an Dir – selbst die Tierärzte, die Dich erlösten, konnten dies in der kurzen Zeit feststellen: Du warst von Grund auf gut (kein kleiner Schelm wie Dein bester Freund Eskimo), freundlich, neugierig, vertrauensvoll, wissend. Only the good die young!

Das ist besonders hart für die Hinterbliebenen, wenn jemand in jungen Jahren geht. Du durftest nicht einmal zwei Jahre alt werden…

Dein Geschenk an mich: ich durfte Dich wunderbares Lebewesen kennenlernen. Und durch Dich bin ich bei einer zweiten Elfe gelandet.

Ich möchte hier gerne noch den Nachruf, den Dein Freund Elvedir in unserem Buch hinterlassen hat, zitieren:

Wir spüren ihn im Wind, der uns berührt, in der Sonne

und ihren wärmenden Strahlen, im Regen und im Nebel, der uns umhüllt.

Wenn wir in den Nachthimmel schauen, können wir ihn in den Sternen sehen.

Und wenn im Herbst der Wind das Laub durch die Lüfte wirbelt,

können wir mit den Blättern spielen, so wie wir es einst auf der Wiese taten.

Ruhe im Paradies mein Freund.

Eines Tages werden wir uns wieder sehen!